Vergiftungsnotfälle
Vergiftungsnotfälle
Was macht man bei Vergiftungsnotfällen?!?!
Als Laie ist es aus meiner Sicht nicht empfehlenswert sich sofort beim Verdacht auf eine Intoxikation (Vergiftung) sich - in erster Linie - mit der Giftnotrufzentrale in Verbindung zu setzen!!! Ich weiss, dass ich damit der Lehrmeinung von Erste-Hilfe-Kursen wiedersetze und mir mit dieser Äußerung keine Freunde mache. ABER, meine Begründung: Auch ein Vergiftungsnotfall ist ein Notfall (hört sich doch ganz logisch an). Aus diesem Grund würde ich mich nicht darauf verlassen und "nur" mit der Giftnotrufzentrale in Verbindung setzen - es verstreicht mit unter zu viel Zeit, welche im Zweifelsfall über Leben und Tod entscheiden kann. Aus meiner Sicht und Erfahrung ist es empfehlenswert, einen "normalen" Notruf über die Telefonnummer 112 abzusetzen. Darüber wird ein Rettungswagen incl. Notarzt alarmiert. Der Notarzt kann sich ein anderes Bild vom entsprechenden Zustand des Patienten machen, als ein Laie. Der Notarzt hat immer noch die Möglichkeit sich über Details bei der Giftnotrufzentrale zu informieren. ... hat aber auch den Sachverstand darüber, ob es empfehlenswerter ist, den Patienten umgehend in eine klinische Therapie einzubringen oder nicht.
Daher mein Tipp: Genauso verhalten, wie bei einem "normalen" Notfall:
Wählen der Telefonnummer:
112
- verhalten Sie sich ruhig!
- nennen Sie als erstes Ihren Standort (wenn das Telefonat unterbrochen wird - aus welchen Gründen auch immer - können so trotzdem Rettungskräfte alarmiert werden, ohne, dass kostbare Zeit (die eventuell für die Ortung Ihres Telefons notwenig wird, verloren geht!!!)
- warten Sie ab, welche Fragen Ihnen weiterhin gestellt werden!
- versuchen Sie die Situation / das Krankheitsbild so genau wie möglich zu schildern
- Häufig genannt sind auch die "W-Fragen", wobei diese auch vom Disponenten der Leitstelle erfragt werden (dieser hat ein Computerprogramm vor sich in welchem er der Reihe nach alle leeren Fenster / Kästchen ausfüllen muss ...)
Wichtig und Interessant empfinde ich jedoch einige Informationen aus dem Flyer der Göttinger Giftnotrufzentrale, welche es kostenlos gibt (gerne auch über den Autor dieser Seite)
"1. Ruhe bewahren
Panik in der Umgebung der Kinder kann bewirken, dass die Kinder verschluckte Substanzen vor Aufregung spontan wieder erbrechen. Dies sollte möglichst vermieden werden (siehe unten).
Versuchen Sie zunächst, die vermuteten Gifte möglichst genau zu identifizieren und ggf. deren Verpackungen zu sichern.
2. Kein Erbrechen auslösen!
Nach Aufnahme einiger Gifte kann Erbrechen sehr gefährlich sein – hierzu zählen zum Beispiel ätzende Produkte wie chemische Rohrreiniger oder manche Reiniger für Geschirrspülmaschinen.
Die Speiseröhre reagiert viel empfindlicher als der Magen auf solche Stoffe. Durch das Erbrechen passieren die Produkte ein weiteres Mal die Speiseröhre und können diese abermals schädigen.
Andere Substanzen, wie Benzin, Petroleum oder Lampenöl, sind besonders gefährlich, wenn sie in die Lunge geraten. Beim Erbrechen dieser Flüssigkeiten kann es besonders leicht zum Eindringen in die Atemwege kommen.
Das gleiche gilt auch für waschaktive Substanzen (Detergenzien, Tenside)m wie sie in Spülmitteln und Haushaltsreinigern sowie in vielen Körperpflegemitteln vorkommen. Die Produkte schäumen beim Erbrechen und der Schaum kann in die Lunge gelangen.
Zudem kann das Auslösen des Erbrechens selbst sehr gefährlich sein:
Wird zum Beispiel versucht, das Erbrechen durch Gabe von Salzwasser auszulösen, kann unter ungünstigen Umständen eine Kochsalzvergiftung, eine lebensbedrohliche Verscheibung der Blutsalze, auftreten.
Der Versuch, Ebrechen durch „Finger-in-den-Hals-stecken“ auszulösen, kann sowohl zu örtlichen Verletzungen als auch zu schweren Kreislaufstörungen führen.
3. Keine Milch zu trinken geben!
Entgegen landläufiger Meinung bindet Milch keine Gifte, sondern verstärkt durch ihre feinverteilten Fettkörperchen die Aufnahme fettlöslicher Gifte aus dem Darm.
Auch sprudelndes Mineralwasser sollte vermieden werden, da es die erwähnten waschaktiven Substanzen aufschäumen kann.
Geben Sie Ihrem Kind stattdessen eine Tasse Tee oder Leitungswasser. Dieses ist gerade bei ätzenden Substanzen wichtig."
Quelle: Infoflyer des "Giftinformationszentrum-Nord der Länder Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig Holstein"
Weblink zur Homepage der "Giftinformationszentrum-Nord":
http://www.giz-nord.de